Bei der Bewertung einer App im Atlassian Marketplace können Kunden deren Funktionalität, Preisgestaltung, Bewertungen und die Anzahl der Installationen vergleichen. Möglicherweise sehen sie auch verschiedene Vertrauenssiegel und Sicherheitsindikatoren.
Diese Badges sind mehr als nur visuelle Kennzeichnungen. Sie helfen Administratoren, Sicherheitsteams und Beschaffungsabteilungen zu verstehen, wie eine App aufgebaut ist, wo ihre Daten verarbeitet werden und ob der Anbieter zusätzliche Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Supportstandards einhält.
Das Gütesiegel ist besonders wertvoll für Organisationen mit strengen Anforderungen an den Datenaufbewahrungsort und die Datenverarbeitung. Es ist jedoch nicht auf jede App-Architektur anwendbar. So kann beispielsweise eine Integration, deren Hauptzweck in der Kommunikation mit einem externen Geschäftssystem besteht, aufgrund ihrer Konzeption externe Verbindungen erfordern.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die App weniger sicher ist. Es bedeutet lediglich, dass „Runs on Atlassian“ ein spezifisches Architekturmodell beschreibt und nicht als universelle Sicherheitsbewertung dient. (Runs on Atlassian)
Hat der Anbieter die Sicherheits-, Betriebs- und Supportprozesse etabliert, die von einem Anbieter von Unternehmensanwendungen erwartet werden?
Atlassian erklärt, dass das Programm darauf ausgelegt ist, Unternehmenskunden die Bewertung von Marketplace-Apps zu erleichtern und berechtigten Apps eine größere Sichtbarkeit bei Kunden mit geschäftskritischen Anforderungen zu verschaffen. (Cloud Fortified Apps-Programm)
Was „Cloud Fortified“ für Marketplace-Kunden bedeutet
Für einen Atlassian-Administrator, ein Beschaffungsteam oder eine Abteilung für Informationssicherheit stellt „Cloud Fortified“ ein wertvolles erstes Vertrauenssignal dar.
Es zeigt an, dass der App-Anbieter über die für Marketplace-Cloud-Apps geltenden grundlegenden Sicherheitsanforderungen hinausgegangen ist und Prozesse für Folgendes eingerichtet hat:
die Veröffentlichung strukturierter Informationen zu Datenschutz und Sicherheit,
die App unabhängigen Sicherheitsforschern zur Verfügung stellen,
die Bewertung und Behebung gemeldeter Sicherheitslücken,
Überwachung der Zuverlässigkeit und Reaktion auf Vorfälle im Produktivbetrieb sowie
Unterstützung der Kunden innerhalb einer festgelegten Reaktionszeit.
„Cloud Fortified“ ist jedoch keine Garantie dafür, dass eine App frei von Schwachstellen ist. Es handelt sich zudem nicht um eine behördliche Zertifizierung und entbindet den Kunden nicht von seiner Verantwortung, zu prüfen, ob eine App für seine Umgebung geeignet ist.
Vor der Installation einer Marketplace-App sollten Kunden weiterhin Folgendes überprüfen:
angeforderte App-Berechtigungen,
von der App abgerufene und verarbeitete Daten,
Datenspeicherung und Datenstandort,
externe Datenübermittlungen,
Aufbewahrungs- und Löschregeln,
Unterauftragsverarbeiter und externe Dienste,
Verwundbarkeits- und Vorfallmanagement,
Supportkontakte und Reaktionsverpflichtungen sowie
die Datenschutz- und Sicherheitsdokumentation des Anbieters.
Das Gütesiegel ist ein guter Ausgangspunkt für die Sorgfaltsprüfung, doch die Informationen, die hinter dem Gütesiegel stehen, sind ebenso wichtig wie das Gütesiegel selbst.
Was „Cloud Fortified“ von Entwicklern verlangt
Aus Sicht der Entwickler ist Cloud Fortified nicht bloß ein Antragsformular oder eine einmalige technische Überprüfung.
Der Anbieter muss Prozesse in den Bereichen Sicherheitsdokumentation, Schwachstellenmanagement, Anwendungsüberwachung, Reaktion auf Sicherheitsvorfälle, Produktionsbereitschaft und Unternehmenssupport einführen und aufrechterhalten.
Zu den Sicherheitsanforderungen gehören:
Das Ausfüllen aller relevanten Fragen auf der Registerkarte „Datenschutz und Sicherheit “ der App im Marketplace.
Die Registrierung der App im Atlassian Marketplace Security Bug Bounty Program.
Externen Forschern ausreichenden Zugriff und ausreichend Zeit zum Testen der App zu gewähren.
Die Überprüfung der gemeldeten Befunde innerhalb der vorgeschriebenen Frist.
Behebung kritischer und schwerwiegender Sicherheitslücken gemäß den Sicherheitsfristen von Atlassian.
Die Zuverlässigkeitsanforderungen bedeuten zusätzlichen Arbeitsaufwand. Entwickler müssen die Skalierbarkeit und Leistung der App bewerten, einen dokumentierten Plan zur Wiederherstellung des Betriebs erstellen, Prozesse zum Vorfallmanagement implementieren und die Kernfunktionalität der App in der Pre-Release-Umgebung von Atlassian testen.
Anbieter mit „Cloud Fortified“-Zertifizierung müssen zudem einen Support-Ansprechpartner benennen und auf kritische Anfragen innerhalb von 24 Stunden reagieren, und zwar an fünf Werktagen pro Woche in der lokalen Zeitzone des Partners. (Anforderungen für „Cloud Fortified“)
In der Praxis können die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Support ebenso anspruchsvoll sein wie die Sicherheitsanforderungen: Die Reaktion auf Vorfälle, die Überwachung der SLOs und die Verpflichtungen zum Unternehmens-Support erfordern eine kontinuierliche operative Verantwortung und nicht nur einen Sicherheits-Workflow.
So funktioniert das Bugcrowd-Sicherheitsprogramm
Die Teilnahme am Atlassian Marketplace Security Bug-Bounty-Programm ist eine der zentralen Anforderungen von Cloud Fortified.
Das Programm wird über Bugcrowd betrieben, eine Plattform, die Unternehmen mit unabhängigen Sicherheitsforschern vernetzt. Im Gegensatz zu einem internen Test durch das Entwicklungsteam setzt das Bug-Bounty-Programm die Anwendung Spezialisten aus, die sich auf unerwartete Weise mit den Berechtigungen, APIs, Benutzerrollen und Datenflüssen der Anwendung auseinandersetzen können.
Der typische Ablauf ist wie folgt:
Der Marketplace-Partner legt fest, welche Anwendungen und Umgebungen in den Geltungsbereich fallen.
Der Partner erstellt Anleitungen, Testkonten und Einrichtungsinformationen für die Forscher.
Bugcrowd lädt die Forscher zur Teilnahme am Programm ein.
Die Forscher testen die App innerhalb des festgelegten Umfangs.
Mögliche Schwachstellen werden über Bugcrowd zusammen mit Details zur Reproduktion gemeldet.
Das Application Security Engineering-Team von Bugcrowd prüft, ob ein Bericht reproduzierbar ist und in den Geltungsbereich fällt.
Ein entsprechendes Ticket wird in Atlassian Marketplace Security (AMS) angelegt.
Der App-Entwickler akzeptiert oder lehnt den geprüften Bericht innerhalb von zwei Wochen ab.
Wird der Bericht akzeptiert, implementiert der Entwickler eine Korrektur, testet die Behebung und belohnt den Forscher entsprechend dem Schweregrad.
Damit eine teilnahmeberechtigte App im Marketplace als am Programm teilnehmend angezeigt wird, muss sie derzeit seit mindestens vier Wochen im Programmumfang enthalten sein und es müssen mindestens 100 Sicherheitsforscher eingeladen worden sein. Darüber hinaus verlangt Atlassian nun, dass Bug-Bounty-Programme im Marketplace bis zum 30. Juni 2026 öffentlich sind oder deren Veröffentlichung aktiv geplant ist. Programme, die sich auf einen öffentlichen Start vorbereiten, benötigen in der Regel mindestens 250 eingeladene Forscher über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen sowie weitere Vorabprüfungen, wie beispielsweise einen finanzierten Prämienpool und eine überschaubare Warteschlange offener kritischer Befunde.
Partner müssen Meldungen innerhalb von zwei Wochen, nachdem Bugcrowd diese geprüft hat, annehmen oder ablehnen. Kritische und schwerwiegende Befunde müssen innerhalb der geltenden Sicherheitsfristen von Atlassian behoben werden. (Marketplace-Sicherheits-Bug-Bounty-Programm)
Was kostet das Bugcrowd-Programm?
Atlassian übernimmt die Kosten für die Bugcrowd-Plattform für Marketplace-Partner. Der App-Entwickler zahlt keine Gebühren für den Zugang zur Bugcrowd-Plattform und deren Dienste.
Der Marketplace-Partner ist für die Prämien verantwortlich, die an Forscher für gültige Befunde gezahlt werden.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments legt Atlassian die folgende Mindestauszahlungsstruktur fest:
|
P1 – Kritisch | 1.500 US-Dollar |
P2 – Hoch | 900 US-Dollar |
P3 – Mittel | 300 USD |
P4 – Niedrig | 100 USD |
P5 – Keine nennenswerten Auswirkungen auf die Sicherheit | 0 USD |
Die Partner werden gebeten, einen anfänglichen Bugcrowd-Prämienpool in Höhe von mindestens 5.000 US-Dollar einzuzahlen. Hierbei handelt es sich um ein im Voraus eingezahltes Guthaben und nicht um eine automatische Gebühr. Prämien für gültige Befunde werden aus diesem Pool ausgezahlt, und ein nicht verwendeter Restbetrag kann bei Beendigung des Programms zurückerstattet werden. Partner müssen den Pool möglicherweise aufstocken, wenn gültige Meldungen ausgezahlt werden; unterfinanzierte Programme können ausgesetzt werden.
Doppelte Meldungen erfordern in der Regel keine zusätzliche Zahlung, da die Prämie normalerweise nur für die erste gültige Meldung einer Sicherheitslücke gezahlt wird. (Kosten für Bug-Bounty-Programme)
Die finanziellen Kosten sind nur ein Teil der Investition. Der Anbieter muss zudem technische Kapazitäten bereitstellen, um:
den Testumfang festzulegen und zu pflegen,
die Testumgebungen und die Dokumentation vorzubereiten,
die Kommunikation mit Bugcrowd und den Forschern,
die gemeldeten Befunde zu reproduzieren und zu bewerten,
Korrekturen zu implementieren und zu testen,
bei Bedarf Abhängigkeiten oder die Architektur aktualisieren sowie
die Lösung dokumentieren.
Der genaue Arbeitsaufwand hängt von der Komplexität der App sowie von der Anzahl und Schwere der gemeldeten Befunde ab. Er sollte daher eher als fortlaufende technische Aufgabe denn als festes, einmaliges Projekt betrachtet werden.
Ein aussagekräftiger Schwachstellenbericht sollte nicht lediglich als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet werden. Er bietet vielmehr die Gelegenheit, eine Schwachstelle zu erkennen und zu beheben, bevor sie im Rahmen eines Kundenaudits aufgedeckt oder in einer realen Kundenumgebung ausgenutzt wird.