Cloud Fortified auf dem Atlassian Marketplace: Anforderungen, Kosten und Vorteile für Unternehmen

Was Sie über Cloud Fortified wissen müssen

  • „Cloud Fortified“ signalisiert die Unternehmensreife in den Bereichen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Support für Atlassian-Marketplace-Anwendungen.
  • „Cloud Fortified“ und „Runs on Atlassian“ unterscheiden sich voneinander: Das eine konzentriert sich auf die betriebliche Reife, das andere auf Architektur und Datenverarbeitung.
  • „Cloud Fortified“ erfordert fortlaufende Sicherheitstests, Schwachstellenmanagement und betriebliche Prozesse und nicht nur eine einmalige Bewertung.
  • Atlassian wird „Cloud Fortified“ im Jahr 2026 durch „Atlassian Enterprise Certified“ ersetzen, das auf denselben Sicherheitsprinzipien für Unternehmen aufbaut.

Was das Gütesiegel für Kunden bedeutet, welche Anforderungen es an Entwickler stellt und warum sich Investitionen in App-Sicherheit auf Unternehmensniveau lohnen.

Aktualisiert im August 2026

Bei der Bewertung einer App im Atlassian Marketplace können Kunden deren Funktionalität, Preisgestaltung, Bewertungen und die Anzahl der Installationen vergleichen. Möglicherweise sehen sie auch verschiedene Vertrauenssiegel und Sicherheitsindikatoren.

Diese Badges sind mehr als nur visuelle Kennzeichnungen. Sie helfen Administratoren, Sicherheitsteams und Beschaffungsabteilungen zu verstehen, wie eine App aufgebaut ist, wo ihre Daten verarbeitet werden und ob der Anbieter zusätzliche Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Supportstandards einhält.

Zwei der bekanntesten Vertrauenssignale für Cloud-Anwendungen sind „Runs on Atlassian “ und „Cloud Fortified“. Sie beziehen sich zwar auf das Thema Vertrauen, beantworten jedoch unterschiedliche Fragen und sollten nicht als zwei Stufen derselben Zertifizierung verstanden werden.

Wichtige Aktualisierung für 2026: Atlassian hat angekündigt, dass „Cloud Fortified“ durch das neue „Atlassian Enterprise Certified “-Programm ersetzt wird. Die Einführung ist für das 3. Quartal 2026 geplant, und Cloud Fortified wird voraussichtlich bis Ende 2026 auslaufen. Dennoch sind die Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Supportpraktiken, die Cloud Fortified zugrunde liegen, nach wie vor von großer Bedeutung und bilden eine solide Grundlage für die neue Zertifizierung. (Atlassian Enterprise Certified-Programm)

Erläuterung der Atlassian-Marketplace-Badges

„Runs on Atlassian“: Wo und wie wird die App ausgeführt?

Das Abzeichen „Runs on Atlassian“ konzentriert sich in erster Linie auf die Architektur und den Umgang mit Daten der App.

Es wird automatisch auf berechtigte Forge-Apps angewendet, die:

  • ausschließlich von Atlassian gehostete Rechen- und Speicherressourcen nutzen,

  • eine Datenaufbewahrung unterstützen, die dem von Atlassian gehosteten Produkt entspricht, und

  • es Kunden ermöglichen, den zulässigen externen Datenausgang, wie beispielsweise Analysen und Protokolle, zu kontrollieren.

Vereinfacht ausgedrückt beantwortet „Runs on Atlassian“ folgende Frage:

Läuft die App innerhalb der Atlassian-Plattform, und kann der Kunde steuern, ob seine Daten diese Umgebung verlassen?

Das Gütesiegel ist besonders wertvoll für Organisationen mit strengen Anforderungen an den Datenaufbewahrungsort und die Datenverarbeitung. Es ist jedoch nicht auf jede App-Architektur anwendbar. So kann beispielsweise eine Integration, deren Hauptzweck in der Kommunikation mit einem externen Geschäftssystem besteht, aufgrund ihrer Konzeption externe Verbindungen erfordern.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die App weniger sicher ist. Es bedeutet lediglich, dass „Runs on Atlassian“ ein spezifisches Architekturmodell beschreibt und nicht als universelle Sicherheitsbewertung dient. (Runs on Atlassian)

„Cloud Fortified“: Ist die App für den Einsatz in Unternehmen geeignet?

Das „Cloud Fortified “-Abzeichen hat einen breiteren Fokus. Es wurde für Marketplace-Apps eingeführt, die größere Unternehmen, regulierte Branchen und geschäftskritische Prozesse unterstützen sollen.

„Cloud Fortified“ bewertet die App und ihren Anbieter in drei Bereichen:

Gebiet

Hauptbereich: „Cloud Fortified“ – Erwartungen

Sicherheit

Teilnahme am „Marketplace Security Bug Bounty“-Programm und ein vollständig ausgefüllter Reiter „Datenschutz und Sicherheit“

Zuverlässigkeit

Festgelegte Service-Level-Ziele, Betriebsbereitschaft, Prüfung der Kernfunktionen und Störungsmanagement

Support

Ein fest zugewiesener Support-Ansprechpartner und eine Reaktion auf kritische Anfragen mit hohem Schweregrad innerhalb von 24 Stunden, an fünf Werktagen pro Woche

„Cloud Fortified“ beantwortet daher eine andere Frage:

Hat der Anbieter die Sicherheits-, Betriebs- und Supportprozesse etabliert, die von einem Anbieter von Unternehmensanwendungen erwartet werden?

Atlassian erklärt, dass das Programm darauf ausgelegt ist, Unternehmenskunden die Bewertung von Marketplace-Apps zu erleichtern und berechtigten Apps eine größere Sichtbarkeit bei Kunden mit geschäftskritischen Anforderungen zu verschaffen. (Cloud Fortified Apps-Programm)

Was „Cloud Fortified“ für Marketplace-Kunden bedeutet

Für einen Atlassian-Administrator, ein Beschaffungsteam oder eine Abteilung für Informationssicherheit stellt „Cloud Fortified“ ein wertvolles erstes Vertrauenssignal dar.

Es zeigt an, dass der App-Anbieter über die für Marketplace-Cloud-Apps geltenden grundlegenden Sicherheitsanforderungen hinausgegangen ist und Prozesse für Folgendes eingerichtet hat:

  • die Veröffentlichung strukturierter Informationen zu Datenschutz und Sicherheit,

  • die App unabhängigen Sicherheitsforschern zur Verfügung stellen,

  • die Bewertung und Behebung gemeldeter Sicherheitslücken,

  • Überwachung der Zuverlässigkeit und Reaktion auf Vorfälle im Produktivbetrieb sowie

  • Unterstützung der Kunden innerhalb einer festgelegten Reaktionszeit.

„Cloud Fortified“ ist jedoch keine Garantie dafür, dass eine App frei von Schwachstellen ist. Es handelt sich zudem nicht um eine behördliche Zertifizierung und entbindet den Kunden nicht von seiner Verantwortung, zu prüfen, ob eine App für seine Umgebung geeignet ist.

Vor der Installation einer Marketplace-App sollten Kunden weiterhin Folgendes überprüfen:

  • angeforderte App-Berechtigungen,

  • von der App abgerufene und verarbeitete Daten,

  • Datenspeicherung und Datenstandort,

  • externe Datenübermittlungen,

  • Aufbewahrungs- und Löschregeln,

  • Unterauftragsverarbeiter und externe Dienste,

  • Verwundbarkeits- und Vorfallmanagement,

  • Supportkontakte und Reaktionsverpflichtungen sowie

  • die Datenschutz- und Sicherheitsdokumentation des Anbieters.

Das Gütesiegel ist ein guter Ausgangspunkt für die Sorgfaltsprüfung, doch die Informationen, die hinter dem Gütesiegel stehen, sind ebenso wichtig wie das Gütesiegel selbst.

Was „Cloud Fortified“ von Entwicklern verlangt

Aus Sicht der Entwickler ist Cloud Fortified nicht bloß ein Antragsformular oder eine einmalige technische Überprüfung.

Der Anbieter muss Prozesse in den Bereichen Sicherheitsdokumentation, Schwachstellenmanagement, Anwendungsüberwachung, Reaktion auf Sicherheitsvorfälle, Produktionsbereitschaft und Unternehmenssupport einführen und aufrechterhalten.

Zu den Sicherheitsanforderungen gehören:

  1. Das Ausfüllen aller relevanten Fragen auf der Registerkarte „Datenschutz und Sicherheit “ der App im Marketplace.

  2. Die Registrierung der App im Atlassian Marketplace Security Bug Bounty Program.

  3. Externen Forschern ausreichenden Zugriff und ausreichend Zeit zum Testen der App zu gewähren.

  4. Die Überprüfung der gemeldeten Befunde innerhalb der vorgeschriebenen Frist.

  5. Behebung kritischer und schwerwiegender Sicherheitslücken gemäß den Sicherheitsfristen von Atlassian.

Die Zuverlässigkeitsanforderungen bedeuten zusätzlichen Arbeitsaufwand. Entwickler müssen die Skalierbarkeit und Leistung der App bewerten, einen dokumentierten Plan zur Wiederherstellung des Betriebs erstellen, Prozesse zum Vorfallmanagement implementieren und die Kernfunktionalität der App in der Pre-Release-Umgebung von Atlassian testen.

Anbieter mit „Cloud Fortified“-Zertifizierung müssen zudem einen Support-Ansprechpartner benennen und auf kritische Anfragen innerhalb von 24 Stunden reagieren, und zwar an fünf Werktagen pro Woche in der lokalen Zeitzone des Partners. (Anforderungen für „Cloud Fortified“)

In der Praxis können die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Support ebenso anspruchsvoll sein wie die Sicherheitsanforderungen: Die Reaktion auf Vorfälle, die Überwachung der SLOs und die Verpflichtungen zum Unternehmens-Support erfordern eine kontinuierliche operative Verantwortung und nicht nur einen Sicherheits-Workflow.

So funktioniert das Bugcrowd-Sicherheitsprogramm

Die Teilnahme am Atlassian Marketplace Security Bug-Bounty-Programm ist eine der zentralen Anforderungen von Cloud Fortified.

Das Programm wird über Bugcrowd betrieben, eine Plattform, die Unternehmen mit unabhängigen Sicherheitsforschern vernetzt. Im Gegensatz zu einem internen Test durch das Entwicklungsteam setzt das Bug-Bounty-Programm die Anwendung Spezialisten aus, die sich auf unerwartete Weise mit den Berechtigungen, APIs, Benutzerrollen und Datenflüssen der Anwendung auseinandersetzen können.

Der typische Ablauf ist wie folgt:

  1. Der Marketplace-Partner legt fest, welche Anwendungen und Umgebungen in den Geltungsbereich fallen.

  2. Der Partner erstellt Anleitungen, Testkonten und Einrichtungsinformationen für die Forscher.

  3. Bugcrowd lädt die Forscher zur Teilnahme am Programm ein.

  4. Die Forscher testen die App innerhalb des festgelegten Umfangs.

  5. Mögliche Schwachstellen werden über Bugcrowd zusammen mit Details zur Reproduktion gemeldet.

  6. Das Application Security Engineering-Team von Bugcrowd prüft, ob ein Bericht reproduzierbar ist und in den Geltungsbereich fällt.

  7. Ein entsprechendes Ticket wird in Atlassian Marketplace Security (AMS) angelegt.

  8. Der App-Entwickler akzeptiert oder lehnt den geprüften Bericht innerhalb von zwei Wochen ab.

  9. Wird der Bericht akzeptiert, implementiert der Entwickler eine Korrektur, testet die Behebung und belohnt den Forscher entsprechend dem Schweregrad.

Damit eine teilnahmeberechtigte App im Marketplace als am Programm teilnehmend angezeigt wird, muss sie derzeit seit mindestens vier Wochen im Programmumfang enthalten sein und es müssen mindestens 100 Sicherheitsforscher eingeladen worden sein. Darüber hinaus verlangt Atlassian nun, dass Bug-Bounty-Programme im Marketplace bis zum 30. Juni 2026 öffentlich sind oder deren Veröffentlichung aktiv geplant ist. Programme, die sich auf einen öffentlichen Start vorbereiten, benötigen in der Regel mindestens 250 eingeladene Forscher über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen sowie weitere Vorabprüfungen, wie beispielsweise einen finanzierten Prämienpool und eine überschaubare Warteschlange offener kritischer Befunde.

Partner müssen Meldungen innerhalb von zwei Wochen, nachdem Bugcrowd diese geprüft hat, annehmen oder ablehnen. Kritische und schwerwiegende Befunde müssen innerhalb der geltenden Sicherheitsfristen von Atlassian behoben werden. (Marketplace-Sicherheits-Bug-Bounty-Programm)

Was kostet das Bugcrowd-Programm?

Atlassian übernimmt die Kosten für die Bugcrowd-Plattform für Marketplace-Partner. Der App-Entwickler zahlt keine Gebühren für den Zugang zur Bugcrowd-Plattform und deren Dienste.

Der Marketplace-Partner ist für die Prämien verantwortlich, die an Forscher für gültige Befunde gezahlt werden.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments legt Atlassian die folgende Mindestauszahlungsstruktur fest:

Schweregrad der Sicherheitslücke

Mindestprämie

P1 – Kritisch

1.500 US-Dollar

P2 – Hoch

900 US-Dollar

P3 – Mittel

300 USD

P4 – Niedrig

100 USD

P5 – Keine nennenswerten Auswirkungen auf die Sicherheit

0 USD

Die Partner werden gebeten, einen anfänglichen Bugcrowd-Prämienpool in Höhe von mindestens 5.000 US-Dollar einzuzahlen. Hierbei handelt es sich um ein im Voraus eingezahltes Guthaben und nicht um eine automatische Gebühr. Prämien für gültige Befunde werden aus diesem Pool ausgezahlt, und ein nicht verwendeter Restbetrag kann bei Beendigung des Programms zurückerstattet werden. Partner müssen den Pool möglicherweise aufstocken, wenn gültige Meldungen ausgezahlt werden; unterfinanzierte Programme können ausgesetzt werden.

Doppelte Meldungen erfordern in der Regel keine zusätzliche Zahlung, da die Prämie normalerweise nur für die erste gültige Meldung einer Sicherheitslücke gezahlt wird. (Kosten für Bug-Bounty-Programme)

Die finanziellen Kosten sind nur ein Teil der Investition. Der Anbieter muss zudem technische Kapazitäten bereitstellen, um:

  • den Testumfang festzulegen und zu pflegen,

  • die Testumgebungen und die Dokumentation vorzubereiten,

  • die Kommunikation mit Bugcrowd und den Forschern,

  • die gemeldeten Befunde zu reproduzieren und zu bewerten,

  • Korrekturen zu implementieren und zu testen,

  • bei Bedarf Abhängigkeiten oder die Architektur aktualisieren sowie

  • die Lösung dokumentieren.

Der genaue Arbeitsaufwand hängt von der Komplexität der App sowie von der Anzahl und Schwere der gemeldeten Befunde ab. Er sollte daher eher als fortlaufende technische Aufgabe denn als festes, einmaliges Projekt betrachtet werden.

Ein aussagekräftiger Schwachstellenbericht sollte nicht lediglich als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet werden. Er bietet vielmehr die Gelegenheit, eine Schwachstelle zu erkennen und zu beheben, bevor sie im Rahmen eines Kundenaudits aufgedeckt oder in einer realen Kundenumgebung ausgenutzt wird.

Aus Sicht eines Entwicklers ist „Cloud Fortified“ keine einmalige Checkliste. Zu den ersten Schritten gehören die Einrichtung einer sicheren Testumgebung, die Festlegung des Umfangs, die Dokumentation der Konfiguration für Forscher sowie die Einbindung von Bugcrowd-Meldungen in unseren normalen Entwicklungsprozess. Noch wichtiger sind die wiederkehrenden Aufgaben: Jeder gültige Befund muss reproduziert, bewertet, behoben, getestet und dokumentiert werden – oft unter Berücksichtigung der Zeitpläne für die Behebung von Problemen mit höherem Schweregrad. In der Praxis warten wir nicht, bis das AMS-Ticket erscheint, bevor wir mit der Untersuchung beginnen; sobald Bugcrowd einen Bericht eingestuft hat, können wir den Fehler bereits reproduzieren und oft schon eine Korrektur vorbereiten. AMS sorgt dann für die formelle Nachverfolgung und den Compliance-Workflow mit Atlassian. Dies erfordert zwar echte technische Kapazitäten, liefert jedoch kontinuierliches externes Feedback und einen wesentlich klareren Überblick über die Sicherheit der App als interne Tests allein.

Martin Fischer, leitender Entwickler bei Sykora IT

Bug-Bounty-Programme und Penetrationstests sind nicht dasselbe

Das laufende Bugcrowd-Bug-Bounty-Programm, das für Cloud Fortified erforderlich ist, sollte nicht mit einem herkömmlichen Penetrationstest verwechselt werden.

Ein Bug-Bounty-Programm läuft kontinuierlich. Verschiedene Forscher können die Anwendung im Laufe der Zeit untersuchen und Schwachstellen melden, sobald sie diese entdecken.

Ein Penetrationstest ist eine strukturierte Bewertung mit einem festgelegten Umfang, einer definierten Methodik und einem festgelegten Testzeitraum. Er dient dazu, die Anwendung zu einem bestimmten Zeitpunkt systematisch zu überprüfen.

Atlassian betreibt ein separates Programm für Penetrationstests im Marketplace, ebenfalls über Bugcrowd. Geprüfte Sicherheitsforscher führen Grey-Box-Tests an der Produktionsversion einer App durch, die direkt aus dem Marketplace installiert wurde.

Laut Atlassian erfordern die meisten Apps etwa zwei bis fünf Testtage. Die derzeitigen Kosten betragen 1.000 US-Dollar pro Testtag und pro App. Atlassian empfiehlt jährliche oder halbjährliche Tests, insbesondere nach größeren Releases oder wesentlichen architektonischen Änderungen. (Marketplace-Penetrationstestprogramm)

Die beiden Ansätze ergänzen sich gegenseitig:

  • Ein Penetrationstest bietet eine systematische Abdeckung während eines festgelegten Zeitraums,

  • ein Bug-Bounty-Programm sorgt für eine kontinuierliche Einbindung einer breiteren Forschergemeinschaft.

Bei einer Unternehmensanwendung sollten externe Sicherheitstests zudem durch sichere Entwicklungspraktiken, das Scannen von Abhängigkeiten, Code-Reviews, Tests der Zugriffskontrolle und interne Qualitätssicherung ergänzt werden.

Cloud Fortified und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

Cloud Fortified sorgt nicht dafür, dass eine Anwendung die Anforderungen von DORA, NIS2, ISO/IEC 27001 oder anderer Vorschriften oder Normen erfüllt. Keines dieser Rahmenwerke schreibt den Kunden ausdrücklich vor, Cloud Fortified-Anwendungen zu nutzen.

Das Programm kann jedoch bei Sicherheitsbewertungen von Lieferanten nützliche und überprüfbare Nachweise liefern.

DORA verpflichtet Finanzinstitute, Risiken durch IKT-Drittanbieter als Teil ihres übergeordneten IKT-Risikomanagementrahmens zu steuern. NIS2 enthält Anforderungen hinsichtlich der Sicherheit der Lieferkette, des Vorfallmanagements und des Umgangs mit Sicherheitslücken. ISO/IEC 27001 verfolgt einen risikobasierten Ansatz für das Informationssicherheitsmanagement, während die Normenreihe ISO/IEC 27036 sich gezielter mit der Informationssicherheit in Lieferantenbeziehungen befasst. (DORA, NIS2, ISO/IEC 27001, ISO/IEC 27036-2)

Cloud Fortified kann diese Bewertungen unterstützen, indem es Nachweise für Folgendes bereitstellt:

  • transparente Informationen zur Sicherheit und zum Umgang mit Daten,

  • unabhängige Schwachstellentests,

  • definierte Prozesse zur Behebung von Schwachstellen,

  • einem dokumentierten Vorfallmanagement,

  • Zuverlässigkeitsmaßnahmen sowie

  • festgelegte Zuständigkeiten im Support.

Dies kann die Unsicherheit während eines Audits verringern. Es ersetzt jedoch nicht die eigene Risikobewertung des Kunden, die Überprüfung der Vertragsbedingungen oder die Compliance-Verpflichtungen.

Unsere Erfahrungen mit Azure Sync für Jira Assets

Bei Sykora IT haben wir den „Cloud Fortified“-Prozess für „Azure Sync for Jira Assets“, unserer auf Forge basierenden App zur Synchronisierung von Microsoft Azure-Ressourcen und Microsoft Entra ID-Objekten mit Jira Assets, abgeschlossen.

Der Eintrag der App im Marketplace zeigt das „Cloud Fortified“-Vertrauenssiegel an und bestätigt deren Teilnahme am Marketplace Security Bug Bounty-Programm.

Für Unternehmenskunden reichen allgemeine Aussagen wie „Unsere Anwendung ist sicher“ selten aus. Ihre Sicherheits- und Compliance-Teams verlangen in der Regel dokumentierte Antworten zu App-Berechtigungen, Datenflüssen, Speicherung, externen Diensten, Schwachstellentests, dem Umgang mit Vorfällen und den Zuständigkeiten.

Der „Cloud Fortified“-Prozess bietet dem Anbieter eine strukturierte Grundlage für die Bereitstellung dieser Nachweise.

„Cloud Fortified bietet uns einen klaren geschäftlichen Mehrwert. Es ermöglicht uns, Azure Sync for Jira Assets an Unternehmenskunden mit fundierteren und nachweisbaren Sicherheitsnachweisen zu verkaufen. Es hilft uns dabei, Sicherheits- und Compliance-Prüfungen unserer Kunden erfolgreich zu bestehen, und gibt uns gleichzeitig mehr Sicherheit, dass wir ein Produkt liefern, dessen Sicherheit kontinuierlich auf die Probe gestellt und verbessert wird.“

Petr Sýkora, Geschäftsführer von Sykora IT

Lohnt sich die Investition in Cloud Fortified?

Für eine kleine experimentelle App, die in erster Linie für einzelne Teams gedacht ist, mag der finanzielle und operative Aufwand zunächst unverhältnismäßig erscheinen.

Für eine kommerzielle Marktplatz-Anwendung, die sich an Unternehmenskunden richtet, ist unser Fazit eindeutig:

Ja, die Investition in Sicherheit und betriebliche Reife auf dem Niveau von Cloud Fortified lohnt sich.

Die Investition bringt mehrere Vorteile mit sich:

  • frühzeitige Erkennung von Sicherheitslücken,

  • unabhängige Tests über das interne Entwicklungsteam hinaus,

  • klarere Prozesse für das Schwachstellenmanagement und die Behebung von Schwachstellen,

  • besserer Einblick in den tatsächlichen Sicherheitsstatus der App,

  • stärkere Nachweise für Kundenaudits,

  • größeres Vertrauen seitens der Unternehmenskunden sowie

  • weniger Reibungsverluste bei der Beschaffung und bei Sicherheitsüberprüfungen.

Cloud Fortified garantiert nicht, dass ein Unternehmenskunde die App erwirbt. Das Fehlen nachweisbarer Sicherheitskontrollen kann jedoch dazu führen, dass eine App die erste Lieferantenbewertung des Kunden gar nicht erst besteht.

Das Gütesiegel ist das sichtbare Ergebnis. Der wichtigere Vorteil liegt in der Sicherheit und der betrieblichen Reife, die im Zuge des Erwerbs und der Aufrechterhaltung des Siegels entwickelt werden.

Der nächste Schritt: Atlassian Enterprise Certified

Atlassian hat angekündigt, dass das „Cloud Fortified“-Programm bis Ende 2026 auslaufen und durch „Atlassian Enterprise Certified“ ersetzt werden soll.

Das neue Programm legt die Anforderungen für Unternehmen noch höher. Zu den veröffentlichten Anforderungen gehören unter anderem:

  • Nachweis eines kürzlich durchgeführten jährlichen Penetrationstests,

  • ein öffentliches Bug-Bounty-Programm oder eines, das kurz vor der Veröffentlichung steht,

  • eine dokumentierte Architektur und dokumentierte Datenflüsse, bei denen Daten Atlassian verlassen,

  • Schwachstellenscans in der Entwicklungspipeline,

  • ein öffentliches Trust Center,

  • SOC 2 Typ II oder ISO/IEC 27001,

  • ein dokumentierter Prozess zum Vorfallmanagement sowie öffentliche Statusinformationen,

  • Dokumentation zur Barrierefreiheit sowie

  • eine Richtlinie für verantwortungsvollen Umgang mit KI für Apps, die KI nutzen.

Atlassian gibt an, dass der Start der Einführungsphase für das 3. Quartal 2026 geplant ist. Mit Beginn der Einführungsphase wird Atlassian keine neuen „Cloud Fortified“-Anwendungen mehr annehmen, und das bestehende Programm wird anschließend auslaufen. (Anforderungen für „Atlassian Enterprise Certified“)

Dieser Übergang macht die Investitionen in „Cloud Fortified“ nicht überflüssig. Die für „Cloud Fortified“ etablierten Prozesse – darunter externe Schwachstellentests, Sicherheitstransparenz, Vorfallmanagement und Unternehmenssupport – bilden eine wichtige Grundlage für das neue Programm.

Entwickler, die diesen Weg im Jahr 2026 einschlagen, sollten sich daher nicht nur auf den Erwerb eines bestimmten Gütesiegels konzentrieren, sondern auf den Aufbau nachhaltiger Sicherheits- und Betriebsfähigkeiten auf Unternehmensniveau.

Unsere Empfehlung an Atlassian-Administratoren und -Nutzer

Bei der Auswahl von Apps für geschäftskritische oder regulierte Umgebungen empfehlen wir, Apps den Vorzug zu geben, die starke Vertrauenssignale bieten, wie beispielsweise „Cloud Fortified“ und – sobald verfügbar – „Atlassian Enterprise Certified“.

Administratoren sollten zudem die Nachweise hinter dem Badge prüfen:

  • Welche Informationen und Berechtigungen benötigt die App?

  • Wo werden Kundendaten verarbeitet und gespeichert?

  • Verlassen Daten die Atlassian-Umgebung?

  • Welche Unterauftragsverarbeiter oder externen Plattformen sind beteiligt?

  • Betreibt der Anbieter ein Bug-Bounty-Programm?

  • Wurde die Anwendung kürzlich einem Penetrationstest unterzogen?

  • Wie wird mit Schwachstellen und Sicherheitsvorfällen umgegangen?

  • Gibt es einen festen Ansprechpartner für Sicherheit und Support?

  • Sind die Aufbewahrungs- und Löschregeln klar dokumentiert?

Ein Gütesiegel erleichtert zwar die Vorauswahl, doch für eine verantwortungsvolle App-Governance ist es nach wie vor erforderlich, die zugrunde liegenden Sicherheitsinformationen zu prüfen.

Unsere Empfehlung an Marketplace-Entwickler

Entwicklern, die Unternehmenskunden ansprechen, empfehlen wir, in die Kontrollmechanismen und Prozesse zu investieren, die durch „Cloud Fortified“ und dessen Nachfolger „Atlassian Enterprise Certified“ repräsentiert werden.

Diese Investition kann den Zugang zu sicherheitsbewussteren und geschäftskritischen Kunden ermöglichen. Ebenso wichtig ist, dass sie der Entwicklungsorganisation einen besseren Einblick in die Sicherheit ihrer eigenen Anwendung sowie eine bessere Kontrolle darüber verschafft.

Aufgrund unserer Erfahrungen mit „Azure Sync for Jira Assets“ kann Sykora IT Marketplace-Entwickler bei folgenden Aufgaben unterstützen:

  • Prüfung der App-Architektur und der Sicherheitsvorkehrungen von Forge,

  • Erstellung der Datenschutz- und Sicherheitsdokumentation für den Marketplace,

  • Vorbereitung des Bugcrowd-Programms und Festlegung des Umfangs,

  • Bewertung und Behebung gemeldeter Sicherheitslücken,

  • Prozesse für die Zuverlässigkeit und das Störungsmanagement,

  • Sicherheitsfragebögen für Unternehmenskunden sowie

  • Vorbereitung auf die Anforderungen für die „Atlassian Enterprise Certified“-Zertifizierung.

Das abschließende Abzeichen ist wichtig. Die während der Vorbereitung darauf entwickelte Sicherheitsreife ist jedoch noch wertvoller.

Quellen und weiterführende Literatur

Wichtige Ansprechpartner:

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Martin Fischer

Bild von Petr Sýkora

Petr Sýkora

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